Rettet ruhig die Welt. Aber lasst mein Shampoo in Ruhe.
- Julia

- 21 hours ago
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Updated: 3 hours ago

Vor etwas mehr als 10 Jahren erzählte mir eine Freundin vom Thema ihrer Masterarbeit:
Nachhaltigkeit.
Ich hatte das Wort noch nie in meinem Leben gehört.
Also erklärte sie mir: “Eine Firma soll Geld verdienen, aber dabei nicht den Planeten verheizen. Das ist eigentlich schon die ganze Idee.”
Ahh.
Mittlerweile ist das Wort Nachhaltigkeit überall zu hören.
Jeder Werbespot wirft es uns entgegen:
Egal ob Waschmittel, Lederhosen oder Staubsauger - alle sind jetzt plötzlich nachhaltig produziert. Jeder ist jetzt CO₂-neutral und pflanzt Bäume in Papua Neuguinea.
Die Produkthersteller hatten außerdem den genialen Einfall, dieses Wort auf jede erdenklich freie Fläche unserer Produkte zu packen:
Es steht auf Coladosen, Handyverpackungen und Haarspülungen.
Sobald man im Sephora etwas aus dem Regal holt, springt es einen an:
37% dieser Wimperntusche sind recycelt!
Ein Drittel dieses Duschgels wurde aus kambodschanischen Regenwaldblättern hergestellt!
Dieser Concealer war mal eine Plastiktüte!
Oh bitte.
Wollen wir das wirklich wissen?
Würde auch nur der leiseste Hauch politischer Korrektheit durch meine Adern fließen, würde ich an dieser Stelle überzeugt ja sagen. Oder wenigstens einigermaßen gut lügen.
Versteht mich nicht falsch.
Ich trenne brav meinen Müll, meistens wenigstens.
Ich hab neulich sogar versucht ganz CO₂-neutral mit der Bahn zu fahren. Ist zwar in einem kleinen Disaster und einem etwas reicheren Taxifahrer geendet, aber der Wille war da.
Natürlich müssen wir auf unsere Umwelt achten, sonst stehen wir am Ende ganz schön blöd da. Oder unsere Kinder. Und das will schließlich keiner.
Aber schreit uns doch die Nachhaltigkeit nicht jeden Tag 48 Mal um die Ohren.
Macht es doch bitte einfach im Stillen.
Schreibt es auf eure Website, irgendwo ganz unten, ganz klein.
Denn ein Produkt trägt auch immer ein Gefühl mit sich, vor allem für uns Frauen.
Unser Duschgel soll sich anfühlen, als würden wir unter einem Wasserfall stehen.
Die Bodylotion nach Samt und Kerzen.
Unser Parfüm nach einer Nacht in Rom.
Wir wollen hier keine Zahlen, Daten und Fakten.
Sondern einen Luxusmoment.
Ist ja schön, wenn ihr euch kümmert.
Wir wollen ja auch nicht, dass unser Lebensraum ausgerottet wird.
Wenn hier alles brachliegt, können wir ja auch gar nicht mehr zum Sephora gehen.
Aber wir müssen wirklich nicht wissen, ob unser Shampoo in seinem früheren Leben mal ein Autoreifen war.




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